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Gisela Sengl
Bündnis 90/Die Grünen
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Frage von Liz H. •

Warum denken Sie ist es förderlich für die Umwelt, wenn man großräumig Wälder ausholzt um dort Windräder zu platzieren?

Und warum propagieren die Grünen E-Mobilität, wo doch mittlerweile jedes Kind weiss, dass sich der Umweltschaden, verursacht durch deren Herstellung, niemals ausgleicht. Wie wird der ganze Schrott (E-Autos, Akkus, Solarpanels, Windräder - allesamt mit giftigem Gas, etc. entsorgt werden?
Und was will man mit E-Autos, wo wir doch alle Strom sparen sollen? Oder fahren die neuerdings mit Waschlappen???

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Antwort von
Bündnis 90/Die Grünen

Sehr geehrte Frau H.

 

zu Ihren Ausführungen möchte ich Ihnen folgende Informationen weitergeben:

 

Zum Thema Windräder im Wald ist wichtig zu wissen, dass die Gesamtwaldfläche Deutschlands zwischen 2012 und 2017 nahezu konstant geblieben ist (20.000 Hektar Waldumwandlung (überwiegend zur Bebauung und zur landwirtschaftlichen Nutzung) gegenüber 24.000 Hektar neu geschaffener Waldflächen (überwiegend vormals landwirtschaftliche Flächen, Dauergrünland bzw. bebaute Flächen) (vgl. Riedel und Henning 2019, S. 22)).

Ich zitiere weiter:

„Nach neuesten Angaben der Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind 2021) muss für eine Windenergieanlage im Wald durchschnittlich eine Fläche von 0,46 Hektar für das Fundament, Kranstellfläche und Zuwegung dauerhaft umgewandelt werden und somit „baumfrei“ bleiben. Weitere 0,4 Hektar werden nur temporär als Lager- und Bauflächen benötigt. Zusammengenommen beträgt die maximal zu rodende Fläche pro Windenergieanlagen also mit 0,86 Hektar etwas unter einem Hektar (ebd., S. 15).

Auf Grundlage der Ende 2020 bundesweit rund 2.100 auf Waldstandorten betriebenen Windenergieanlagen wurden demnach zusammengenommen rund 1.800 Hektar Wald dauerhaft bzw. temporär in Anspruch genommen (ebd., S. 16). Das entspricht einem Anteil an der Gesamtwaldfläche Deutschlands von lediglich 0,016 Prozent.

Dadurch, dass nahezu 90 Prozent der Windenergieanlagen in den Jahren seit 2010 errichtet wurden, ergibt sich eine durchschnittliche jährliche Waldumwandlung durch die Windenergie von unter 90 Hektar. Bezogen auf die Jahre der oben genannten Kohlenstoffinventur von 2012 bis 2017 entspricht das einem Anteil von nur 2,25 Prozent der jährlichen Waldumwandlungsfläche.

Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass Windenergieanlagen zumindest teilweise auf Nichtholzboden-Flächen bzw. auf Kalamitätsflächen, zum Beispiel Windwurfflächen oder aufgrund von Schädlingsbefall ohnehin zu rodenden bzw. bereits gerodeten Flächen realisiert werden. Temporär in Anspruch genommene Flächen sind nach den Landeswaldgesetzen in der Regel zeitnah wiederaufzuforsten und eine Waldumwandlung flächen- bzw. wertgleich durch Schaffung neuer Waldflächen zu kompensieren (FA Wind 2021, S. 13). Im Zuge von Wiederaufforstungen und Ersatzaufforstungen bietet sich zudem die Chance, klimaresiliente und naturschutzfachlich wertvolle Laubmischwaldflächen zu schaffen, und auch die Pachteinnahmen können für einen klimagerechten Waldumbau genutzt werden.“

Sie sehen, der Bau von Windenergieanlagen trägt also nicht substanziell zur Reduktion der Wald- bzw. Holzbodenfläche bei.

Hier können Sie meine Quelle nachlesen:

https://www.naturschutz-energiewende.de/wp-content/uploads/KNE-Antwort_325_CO2-Bindung_Wald_vs_CO2-Einsparung_WEA.pdf

  

Zum Thema Ressourcenverbrauch E-Auto im Vergleich mit fossilen Antrieben möchte ich auf die Studie “Resource consumption of the passenger vehicle sector in Germany until 2035 – the impact of different drive systems“ im Auftrag des Bundesumweltministeriums hinweisen: https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Resource-demand-drive-systems.pdf

 

Demnach kann „der jährliche Rohölbedarf für Pkw in Deutschland bis 2035 um 56 Prozent gegenüber 2020 sinken, wenn bis dahin der Anteil der elektrischen Pkw an den Zulassungen in Deutschland auf 100 Prozent steigt. Diese Einsparungen übertreffen deutlich den Verbrauch von fossilen Energieträgern wie Erdgas, die zur Deckung des zusätzlichen Strombedarfs von Elektrofahrzeugen benötigt werden. Kurzfristig bis mittelfristig ergibt sich im Elektroauto-Szenario ein wachsender Metallbedarf, dafür werden viel weniger fossiler Brennstoffe verbraucht. Im Verbrenner-Szenario ist der Metallbedarf niedriger, jedoch ist und bleibt der fossile Energiebedarf sehr hoch. Langfristig können Metalle aber im Kreislauf geführt werden, während fossile Energieträger nach der Verbrennung nicht mehr verwertbar sind.“

Sie haben Recht: angesichts der hohen Strompreise sollten wir alle Strom sparen. Die hohen Strompreise liegen aber zuallererst in unserer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen begründet. Denn es sind die Preise für Erdöl und Erdgas, die in letzter Zeit massiv gestiegen sind und es mittelfristig auch weiter werden.

Günstigen Strom bekommen wir zukünftig nur, indem wir auf erneuerbare Energien setzen. Das ist deshalb so dringend notwendig, weil der Strombedarf in Deutschland in den nächsten Jahren auf jeden Fall steigen wird, auch unabhängig von der Elektromobilität. Eine Prognose zum Strombedarf finden Sie hier: https://www.prognos.com/sites/default/files/2021-11/20211116_Kurzpaper_Bruttostromverbrauch2018-2030.pdf

 

Mit freundlichen Grüßen

Gisela Sengl