Dr. Sibyll Klotz (DIE GRÜNEN)

Dr. Sibyll Klotz
Jahrgang
1961
Berufliche Qualifikation
Philosophin
Ausgeübte Tätigkeit
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin
Wohnort
-
Wahlkreis
Berlin-Neukölln
Ergebnis
9,5%
Landeslistenplatz
3, Berlin
weitere Profile auf abgeordnetenwatch.de
Persönliche Website
www.klotz-info.de
Fragen an Dr. Sibyll Klotz
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Die Datenschutzbestimmungen zur Behandlung meiner Daten habe ich gelesen.
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Wirtschaft
10.08.2005
Von:
Dr. -

Sehr geehrte Frau Klotz.
Wie Sie vielleicht wissen, bin ich ehrenamtlich als Geschäftsführer des Zentralverbandes der Ingenieurvereine (ZBI) e.V. tätig.
Die Tätigkeit von Ingenieuren ist entscheidend für die Innovationskraft unserer Wirtschaft und garantiert den Wohlstand künftiger Generationen. Als wenig sprachgewaltig auftretende und in den Parlamenten von Bund und Ländern unterrepräsentierte Berufsgruppe haben die Ingenieure Wünsche und Erwartungen an den 16. Deutschen Bundestag, von denen ich Ihnen vier gravierende vortrage und Ihre Antwort erbitte. Werden Sie nach Ihrer Wahl in den Bundestag dafür eintreten, dass

1. neben den wichtigen Investitionen in die Forschung verstärkt auch solche in die Verkehrsinfrastruktur auf Schiene, Wasser und Stra-ße geleistet,
2. ein flächendeckender kommunikationssichernder Breitbandausbau im Bundesgebiet realisiert,
3. die Berufsbezeichnung Ingenieur auch nach der Abschaffung von Diplom-Studiengängen zu Gunsten von Bachelor- und Masterab-schlüssen erhalten und bundeseinheitlich gesetzlich geschützt und
4. die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) zeitge-recht novelliert, aber als verbindliches Preisrecht erhalten werden?

Ihrer geschätzten Antwort sehe ich dankend entgegen und wünsche Ihnen einen guten Verlauf des kurzen Wahlkampfes 2005.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Dr. Sibyll Klotz
bisher keineEmpfehlungen
15.08.2005
Dr. Sibyll Klotz
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihr Interesse an meinem politischen Engagement.
Zunächst möchte ich die Bedeutung des Ingenieurwesens in Deutschland bekräftigen. Im Inland sowie im Ausland wird der Kompetenz, Verlässlichkeit und Innovationskraft der Ingenieurinnen und Ingenieure mit deutschem Hochschulabschluss hohe Anerkennung zuteil. An unseren Universitäten studieren zahlreiche junge Menschen aus dem Ausland mit dem Ziel, ein Ingenieurdiplom zu erreichen, das ihnen in der Heimat exzellente berufliche Chancen eröffnet.
Sicher ist Ihnen auch bekannt, dass sich meine politische Arbeit neben den zentralen Themen Wirtschaft und Arbeit auch Gleichstellungsfragen zuwendet. Leider besteht noch immer ein eklatantes Ungleichverhältnis zwischen Ingenieurinnen und Ingenieuren. Frauen sind im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich deutlich unterrepräsentiert.
Die Zurückhaltung der Frauen beginnt bereits beim Studium: Im Jahr 2002 lag der Frauenanteil in allen naturwissenschaftlichen Studienfächern durchschnittlich bei 35,5 Prozent. Der Frauenanteil bei den Ingenieurwissenschaften dagegen nur bei 21 Prozent; das Schlusslicht innerhalb dieser Gruppe bildete die Elektrotechnik mit nur 7,5 Prozent weiblicher Studierender. Gerade in den zukunftsträchtigen technisch-naturwissenschaftlichen Berufsgruppen nehmen junge Frauen ihre Chancen offenbar immer noch nicht ausreichend wahr, obwohl die schulischen Leistungen der Mädchen auch in den naturwissenschaftlich-mathematischen Fächern die der Jungen deutlich übertreffen. Dies muss sich ändern.
Ich werde auch einen Schwerpunkt meiner parlamentarischen Arbeit auf die Erhöhung des Anteils von Frauen in technischen Berufen legen und freue mich dabei auf Ihre persönliche und die Unterstützung des Zentralverbandes.

Zu Ihren Fragen, die ich in Rücksprache mit den KollegInnen der Bundestagsfraktion folgendermaßen beantworte:

Werden Sie sich dafür einsetzen, dass

1. neben den wichtigen Investitionen in die Forschung verstärkt auch solche in die Verkehrsinfrastruktur auf Schiene, Wasser und Straße geleistet,

Antwort: Im Jahr 2003 haben wir Rekordinvestitionen in die Schiene erreicht, die um 60% über dem Niveau von 1998 lagen. Der Rückgang der Investitionen in 2004 war das Ergebnis einer großkoalitionären Absprache im Bundesrat im Anschluss an die berüchtigten Koch-Steinbrück-Vorschläge, die fataler Weise Investitionen zu Subventionen erklärt und deren Kürzung verabredet hatten. Trotz des 2-Milliarden-Programms vom Frühjahr 2005 konnten diese Kürzungen bisher nicht ausgeglichen werden. Die aktuelle Mittelfristplanung für Investitionen in Bundesverkehrswege ist daher aus unserer Sicht unzureichend. Wir brauchen eine Verstärkung der Investitionen, insbesondere für die Schiene. Wir plädieren daher für eine Ausweitung der Lkw-Maut auf Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen und eine schrittweise Ausdehnung der Maut auf das gesamte nachgeordnete Straßennetz. Diese Mehreinnahmen sollten - wie bisher auch - in Investitionen für alle Verkehrsträger fließen. Projekte, die in Public Private Partnership erstellt werden, werden an Bedeutung zunehmen. Sie sind vor allem als Benchmark zur konventionellen Beschaffungsmethode sinnvoll, um Effizienzreserven bei der Erstellung von Verkehrswegen zu heben. Notwendig sind dazu auch Reformen in der öffentlichen Verwaltung, z.B. die Abschaffung der Auftragsverwaltung für Bundesfernstraßen und eine Verschlankung und Reform der Wasserschifffahrtsdirektionen.

2. ein flächendeckender Kommunikation sichernder Breitbandausbau im Bundesgebiet realisiert,

Antwort: Die rotgrüne Bundesregierung hat den Ausbau der Breitbandverbindungen in Deutschland kontinuierlich voran getrieben. Im Internet wird auf der Homepage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit ein Atlas gezeigt, auf dem der Breitbandausbau detailliert verzeichnet ist. Für uns Grüne ist klar: Wir wollen die weißen Flecken auf der Landkarte
gegen Versorgungsangebote austauschen und dafür sorgen, dass die am jeweiligen Standort effizienteste und für die VerbraucherInnen kostengünstigste Variante zum Einsatz kommt. Neben der Frage nach der technischen Infrastruktur bin ich der
Meinung, dass die Breitbandversorgung auch bei der Verbreitung von medialen Inhalten hervorragende Möglichkeiten bietet.
Neben dem Internet gebrauchen immer mehr NutzerInnen den Breitbandanschluss für Fernsehen und Rundfunk. Hier bieten sich den
Medien interessante Expansions- und Innovationschancen, die im Sinne der Verstärkung von Presse- und Informationsfreiheit - ein grundlegendes Anliegen von Bündnis 90/Die Grünen - gefördert werden müssen.

3. die Berufsbezeichnung Ingenieur auch nach der Abschaffung von Diplom-Studiengängen zu Gunsten von Bachelor- und Masterabschlüssen erhalten und bundeseinheitlich gesetzlich geschützt und

Antwort: Die Kultusministerkonferenz hat schon im Herbst 2003 ländergemeinsame Strukturvorgaben beschlossen, die bundeseinheitlich wirksam werden. Dazu gehören die Vorgaben, dass die Bezeichnungen lauten: "Bachelor of Science (B.Sc.)/ Master of Science (M.Sc.)" oder "Bachelor of Engineering (B.Eng.)/ Master of Engineering (M.Eng.)".

4. die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) zeitgerecht novelliert, aber als verbindliches Preisrecht erhalten werden?

Antwort: Das Planen und Bauen in Deutschland ist in vielen Bereichen immer noch überreglementiert und bedarf der Vereinfachung und Modernisierung. Wir befürworten in diesem Zusammenhang auch eine Weiterentwicklung und Vereinfachung der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Die HOAI muss reformiert werden. Sie ist dabei allerdings als gesetzlich verbindliche Preisrechtsverordnung im Interesse der Verbraucher zu erhalten.
Die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums für eine rein freiwillige Vereinbarung lehnen wir ab.
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Familie
10.08.2005
Von:

Was werden Sie tun, um Müttern (und Vätern) mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe bei der Wahrnehmung ihrer Betreuungs- und Erziehungsaufgaben zu ermöglichen?
Antwort von Dr. Sibyll Klotz
bisher keineEmpfehlungen
12.08.2005
Dr. Sibyll Klotz
Hallo Herr Schuren,

die gleichberechtigte Teilhabe und Selbstbestimmung der Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen ist mir ein wichtiges Anliegen. Wir wollen Integration von Anfang an. Kindergärten und Schulen sind zentrale Orte der Integration und Teilhabe, für Kinder ebenso wie für Eltern mit Behinderungen. Wir setzen uns in Berlin seit Jahren dafür ein, dass Kitas und Schulen behindertengerecht gebaut und gestaltet werden. Dies ist auch eine Voraussetzung dafür, dass Eltern mit Behinderungen an Elternabenden und anderen Aktivitäten und Veranstaltungen teilnehmen und ihre Betreuungs- und Erziehungsaufgaben aktiv wahrnehmen können. Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen sollten für Elternabende und die Mitarbeit in schulischen Gremien - wenn nötig - entsprechende Hilfen zur Verfügung gestellt werden. Hier besteht z.B. noch Handlungsbedarf, da nach Interpretation der Berliner Schulverwaltung Eltern mit Behinderungen eine Assistenz wie z.B. GebärdensprachdolmetscherInnen nur bei Verwaltungsakten wie Einschulung oder Prüfungsangelegenheiten zur verfügung gestellt werden muss (siehe Antwort auf die Kleine Anfrage meiner Kollegin Elfi Jantzen "Mitwirkung gehörloser Eltern in schulischen Angelegenheiten ihrer Kinder ermöglichen" www.parlament-berlin.de/adis/citat/VT/15/KlAnfr/ka15-12641.pdf.)

Auf Bundesebene haben wir mit dem Sozialgesetzbuch IX und dem Bundesgleichstellungsgesetz wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Menschen mit Behinderungen ihr Leben möglichst selbstbestimmt und eigenverantwortlich gestalten können. Sie haben nun einen Rechtsanspruch auf Assistenz und Unterstützung in verschiedenen Bereichen. In den Bereich Bauen, Wohnen, Verkehr und Kommunikation wurden die Voraussetzungen für eine umfassende Barrierefreiheit geschaffen. Es bleibt die Aufgabe für Bund, Länder und Gemeinden in Zusammenarbeit mit den Menschen mit Behinderungen und ihren Verbänden die gesetzlichen Möglichkeiten vor Ort weiter umzusetzen.

Nicht nur bauliche und Kommunaktionsbarrieren, sondern auch finanzielle Einschränkungen verhindern eine volle Teilhabe behinderter Menschen. Die bereits vollzogenen und weiter angekündigten Kürzungen der länderspezifischen Nachteilsausgleiche ( wie in Berlin beim Landesblindengeld) machen deutlich, dass wir dringend eine bundeseinheitliche Regelung benötigen. Daher trete ich für die Schaffung eines "Teilhabegeldes" ein, das sämtliche Geldleistungen für Menschen mit Behinderungen zusammenfasst.

Viele Grüße Sibyll Klotz
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Wirtschaft
15.08.2005
Von:

Sehr geehrte Frau Klotz,

wie es scheint sind Sie die einzige Person aus meinem Wahlkreis welche Fragen hier bei Kanditatenwatch.de beantwortet. Sind vielleicht die anderen Kandidaten nicht in der Lage sich in diesem neuen Medium zurecht zu finden ? Oder ist so ein enger Kontakt zum Wähler zuviel ? Wie sehen Sie das ? Wie wollen Sie unsere Wirtschaft oder die Forschung unterstützen und vorantreiben?
Meiner Meinung nach sollte jemand sich schon in diesen zwei Gebieten auskennen um erfolge verbuchen zu können. Wie weit sind Sie in diesen Gebieten bewandert?

Herzlichst

M.
Antwort von Dr. Sibyll Klotz
bisher keineEmpfehlungen
22.08.2005
Dr. Sibyll Klotz
Hallo Herr ,

mir gefällt dieses Medium kandidatenwatch.de sehr gut, und deshalb versuche ich auch die an mich gestellten Fragen relativ zeitnah zu beantworten. Kann im Zweifel natürlich auch mal ein paar Tage dauern. Und es gibt ja auch gar nicht so viele Möglichkeiten, mit den WählerInnen direkt zu reden. Entweder werden Positionen über die Medien transportiert, dort entsprechend zusammengefaßt, verkürzt, einseitig transportiert oder ignoriert. Oder wir/ich erreiche/n die Leute über Veranstaltungen, Druckerzeugnisse etc. und in Wahlkampfzeiten über den Strassenwhlkampf. Das Internet ist die einzige Möglichkeit 1:1 Positionen an den Mann oder die Frau zu bringen. Entweder über die eigene Website oder über eine Website, auf die viele Leute gehen - und damit ist kandidatenwatch.de ein wichtiger Beitrag zu mehr Demokratie und mehr Transparenz von politischen Prozessen. Warum die anderen KandidaInnen das möglicherweise anders sehen, kann ich Ihnen nicht sagen.

Zu Ihren Fragen, die aber beide sehr umfassend sind, einige Anmerkungen:

Die deutsche Wirtschaft steht besser da, als es oft den Anschein hat. Immerhin sind wir seit Jahren Exportweltmeister. Die Zahl der Insolvenzen geht seit Jahresanfang endlich zurück. Ein Problem haben wir mit der Binnennachfrage und dem zu geringen Anteil von Investitionen in die Bildung - obwohl gerade Rot/Grün da in den letzten Jahren viel getan und auch Geld in die Hand genommen hat. Aber: Erstens hat die Unionsmehrheit im Bundesrat verhindert, dass Subventionen (Eigenheimzulage, Entfernungspauschale, Ehegattensplitting) abgeschafft werden, damit dieses Geld für Bildung (Kita, Schule, Hochschule, Forschung, lebenslanges Lernen) und Kinderbetreuung mobilisiert werden kann. Außerdem setzen wir als Grüne natürlich auf die Verbindung von Ökonomie und Ökologie, denn Umwelt schafft Arbeit. Allein mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz sind 140.000 neue Arbeitsplätze entstanden. Tendenz steigend, wenn die Politik die Rahmenbedingungen dafür setzt. Ich halte nicht viel davon, die Höhe der Lohnnebenkosten zum alleinigen Verursacher der hohen Arbeitslosigkeit zu erkären. Aber eines ist dennoch zutreffend: Gerade im Dienstleistungsbereich bewirken insbesondere die hohen Kosten für die Sozialversicherungen, dass Dienstleistungen entweder "schwarz erbracht" werden (Wer kennt nicht die Frage des Handwerkers: Wollen sie eine Rechnung????) oder gar nicht eingekauft werden. Deswegen sind wir Grüne für eine Bezuschussung der Sozialabgaben im unteren Einkommensbereich, damit die Leute Netto mehr vom Brutto in der Tasche haben, damit Arbeit im unteren Einkommensbereich preiswerter wird, mehr nachgefargt wird und dadurch neue Arbeitsplätze entstehen. Die Senkung der Lohnnebenkosten streben wir durch die Einführung einer solidarischen Bürgerversicherung an, in die alle einzahlen, und bei der alle Einkommensarten gleich behandelt werden.

Zum Thema Forschung und Wissenschaft will ich voranstellen, dass Rot/Grün im Bund hier Einiges vorangebracht hat. Anders als z.B. in Berlin (wo die Mittel für die Wissenschaft drastisch reduziert wurden) hat die Bundesregierung die Mittel für Wissenschaft und Forschung um seit 1998 um 36% gesteigert, die Studiernednquote stieg von 28% im Jahr 1999 auf fast 40% im laufenden Jahr (was auch durch die Erhöhung des BaFög gelungen ist. Mit der Excellentinitiative sollen "Leuchttürme" der Wissenschaft besonders gefördert werden, mit fast 2 Milliarden bis zum Jahr 2011, davon kommen fast 75 % vom Bund. Dennoch belibt gerade in Wiussenschaft und Forschung eine Menge zu tun. Für uns Grüne steht im Mittelpunkt, dass alle gleiche Chancen beim Zugang zu Bildung und Wissen haben. Deshalb wollen wir, dass das Erststudium gebührenfrei belibt. Durch den Abbau von Steuerbegünstigungen und Subventionen wollen wir mehr Geld in die Wissenschaft, Bildung und Kinderbetreuung umlenken. Und wir wollen, dass die Forschungs- und Technologieförderung stärker auf umweltverträgliche Technolgien und Produkte konzentriert wird. Bis 2003 soll der Anteil von Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt auf 3% gesteigert werden.

Das vielleicht in wenigen Stichworten unsere Ziele in den von Ihnen abgefragten Bereichen.

Viele Grüße von Sibyll Klotz
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Bürgerrechte
15.08.2005
Von:

Wenn Sie in den nächsten Bundestag einziehen, werden Sie sich dann für die Entkriminalisierung sog. "weicher Drogen" einsetzen?
Immerhin fordern zwei Drittel der Bevölkerung in der Bundesrepublik, die Entkriminalisierung von Cannabis und Co. Gerade die Grünen haben, besonders vor der Wahl 1998, die Entkriminalisierung propagiert.
Leider waren das nur leere Worte, denn passiert ist nichts.
Wie werden Sie sich einsetzen, damit endlich eine überholte und unlogische Ideeologie durch Vernunft ersetzt wird?
Antwort von Dr. Sibyll Klotz
bisher keineEmpfehlungen
16.08.2005
Dr. Sibyll Klotz
Hallo Herr ,

einen legalen Zugang zu Cannabis zu schaffen, ist das politische Ziel der Grünen. Dabei lassen wir uns leiten vom Prinzip, das für alle Formen des Drogenkonsums gilt: Aufklärung und Prävention sowie Therapie und Hilfe statt Strafe. Da wir Grünen von einer absoluten Mehrheit noch immer weit entfernt sind und sein werden, konnte die Umsetzung des politischen Programms nur innerhalb von Rot/Grün erfolgen. Dabei haben wir durchaus Erfolge zu verbuchen, aber eben nur bei den legalen Drogen Alkohol und Tabak.

Mit Blick auf harte Drogen ist uns ein Paradigmenwechsel gelungen, der den eindeutigen Focus auf Therapie und Hilfe legt. Damit verbunden sind z.B. verbesserte Regelungen der Substitution und die generelle Kostenerstattung durch Krankenkassen (aktuelle Wahlperiode) oder das laufende "Heroinprojekt".
Im Bereich der Suchtprävention erhofften wir uns Impulse durch das Präventionsgesetz, das (trotz vorheriger Verhandlungen mit den Bundesländern) vom Bundesrat blockiert wird und vermutlich wegen der Diskontinuität (Gesetze, deren Beratung nicht während der Wahlperiode in Bundestag und Bundesrat abgeschlossen werden, verfallen) nicht in Kraft treten wird. Gesellschaftliche Fehlentwicklungen, die Sucht erzeugen, müssen von allen verantwortet, die Heilung der Sucht muss von allen getragen und bezahlt werden.

Keinen Erfolg hatten wir im Bereich Cannabis. In dieser Frage hat sich der Koalitionspartner SPD leider keinen Schritt bewegt. Unsere Position lautet nach wie vor: Statt Cannabis zu dämonisieren und bei Alkohol und Tabak die Augen vor den Auswirkungen zu verschließen, fordern wir eine Suchtpolitik, die die Gefährdungen von Alkohol, Tabak und Cannabis insbesondere bei sehr jungen KonsumentInnen ernst nimmt. Die Politik der Kriminalisierung ist gescheitert. Trotz Strafverfolgung konsumieren immer mehr und immer jüngere Menschen Cannabis und Haschisch. Wir erreichen weit mehr durch Prävention, Aufklärung und - wo notwendig - Therapie. Zudem erschwert die Kriminalisierung die Aufklärungsarbeit: Wer über Cannabiskonsum offen spricht, gerät schnell in den Verdacht, für den Konsum zu werben.
Konkretes Ziel der laufenden Legislaturperiode war, die Bundesverfassungsgerichtsurteile (geringe Menge und Fahrerlaubnisverordnung) endlich auch in Gesetze zu gießen, was uns nicht gelungen ist. Dass unsere Position zu Cannabis nicht nur leere Worte waren, ist unter anderem daran zu seehn, dass zu wichtigen Fragen (Führerschein, Mengenbesitz) Gutachten vorliegen, die aber von den zuständigen Ministerien (die leider nicht grün "geführt" waren) nicht umgesetzt wurden.

Insofern sind auch wir nicht zufrieden, dass wir im Bereich Cannabis keinen Schritt weiter gekommen sind. Die Urasche liegt allerdings bei der SPD, die sich in diesem Punkt immer wieder der Umsetzung des Koalitionsvertrages entzogen hat. Hier hätten wir uns aus dem drogenpolitischen Umfeld gewünscht, dass Erwartungen und Forderungen nicht vorrangig an uns, sondern auch an die Sozialdemokratie gerichtet worden wären.

Dennoch haben wir in den Ländern eine Menge getan und belassen es nicht nur bei der Benennung von bundespolitischen Zielen (wie die PDS, neu: Linkspartei). Wir haben in Berlin Druck auf den Berliner Senat gemacht, die Spielräume auf Landesebene zu nutzen. Aber von einem Modellversuch zur kontrollierten Abgabe von Cannabis wollten SPD und Linkspartei nichts wissen. Übrigens auch in Mecklenburg-Vorpommern, wo die PDS mitregiert, hat sich in Sachen fortschrittlicher Drogenpolitik nichts getan. Im Land Berlin wurden auf unseren Antrag die Strafverfolgungsgrenzen wegen Cannabisbesitz heraufgesetzt. Leider erst ein Jahr nach dem Beschluss des Abgeordnetenhauses und nicht in dem von uns geforderten Umfang, aber immerhin: Bei bis zu 10 g Cannabisbesitz zum Eigenverbrauch werden Verfahren eingestellt, unter bestimmten Umständen auch bis 15 g. (Wir hatten 30 g
gefordert).

Wir werden uns auch weiter dafür einsetzen, dass eine ideologisierte und unlogische Politik, durch Vernunft ersetzt werden. Wir arbeiten daran. Je stärker wir Grünen sind, um so schneller geht es!!! Wie wäre es denn, wenn die zwei Drittel der Bevölkerung, die für die Legalisierung weicher Drogen sind, uns dafür auch wählen???!!!!

Viele Grüße Sibyll Klotz
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Bildung
16.08.2005
Von:
-

Sehr geehrte Frau Dr. Klotz,

mit meiner Erststimme möchte ich unter anderem auch dazu beitragen, daß die unsägliche sog. Rechtschreibreform, im folgenden als "Neuschrieb" bezeichnet, zugunsten der bewährten Schreibung rückgängig gemacht wird.

Bekanntermaßen fordern und praktizieren die Beibehaltung der bewährten Schreibung nicht nur die weit überwiegende Zahl der deutschsprachigen Autoren, namhafte Sprachwissenschaftler, sondern auch ein nicht mehr zu übergehender Teil der meinungsbildenden Druckmedien wie (seit August 2000) die "FAZ", die seither meine Abonnementzeitung ist, und (seit August vergangenen Jahres) auch die desamte Springer-Gruppe; "Spiegel" und "Süddeutsche" wollen noch die Ergebnisse der Tätigkeit des Rechtschreibrates abwarten, folgen aber mit ihren Hausorthographien - bis auf die nach Neuschrieb vorgesehene ss/ß-Schreibung - inzwischen auch weitgehend wieder den bewährten Regeln.

Nicht zuletzt verlangt die große Mehrheit der Bevölkerung die Rückkehr zu den bewährten Rechtschreibregeln im behördlichen und schulischen Bereich.

Für Sprachkundige und Sprachinteressierte ist der Neuschrieb ein Greuel, weil mit der gewollten Simplifizierung komplexer Sprachzusammenhänge zum vermeintlichen Wohle der Lernschwächeren sinnentstellende und etymologische Gegebenheiten mißachtende sowie grammatisch falsche künstliche Konstrukte entstanden sind, die zudem wichtige sprachliche Nuancierungen schlichtweg einebnen. Bezogen auf den Empfängerhorizont wird das Leseverständnis sogar erschwert, was schon der Blick auf die aberwitzigen Trennungsregeln nach Neuschrieb anschaulich verdeutlicht.

Ich möchte daher, um eine insgesamt wohlüberlegte (nicht nur: wohl überlegte?!) Wahlentscheidung treffen zu können, von Ihnen gerne wissen, welche Position Sie und Ihre Partei zu diesem Thema vertreten und welche Initiativen Sie diesbezüglich zu unternehmen gedenken.

Mit freundlichen Grüßßen

Antwort von Dr. Sibyll Klotz
bisher keineEmpfehlungen
31.08.2005
Dr. Sibyll Klotz
Guten Tag Frau ,

auch ganz persönlich finde ich so manche neue Rechtschreibregel weder logisch noch sinnvoll und wäre nicht auf die Idee gekommen, dass sie einen sprachlichen Fortschritt darstellt. Aber auch das Verfahren, dass die Rechtschreibreform durchlaufen hat, kann wohl nur als höchst unglückliches Unterfangen bezeichnet werden. Wir hätten in der Bildungspolitik in diesem Lande wahrlich Dringenderes zu tun gehabt. Da nun aber die Kultusbürokratie massiv in den Prozess der Veränderung von Sprache eingegriffen hat, da Schulen und Schülerinnen und Schüler sich auf die neuen Regeln einstellen, lässt sich die Rechtschreibreform nicht mehr ungeschehen machen. Auf Bundesebene ist die Politik für diese Frage allerdings nicht zuständig. Wir teilen aber Ihre Auffassung, dass die Gelder anstatt für die Neuauflage von Schulbüchern besser in die frühkindliche Bildung und in Schulen und Hochschulen investiert werden sollten.

Mit freundlichen Grüßen Sibyll Klotz
X
Antwort empfehlen
Ihre Frage an Dr. Sibyll Klotz
Sie befinden sich auf einer Archivseite. Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.